Die Soufra Cafeteria im Flüchtlingscamp Burj el Barajneh in Beirut ist der einzige öffentliche Treffpunkt für Frauen.

Soufra Cafeteria
Beirut, Libanon

Im Flüchtlingscamp Burj El Barajneh im Süden von Beirut leben rund 50.000 palästinensische und syrische Geflüchtete unter schwierigsten Bedingungen. Armut, Perspektivlosigkeit und eine sich verschärfende wirtschaftliche Krise prägen ihren Alltag – besonders für Frauen, die kaum Rechte und nur eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt haben.

Cuisine sans frontières betreibt seit 2021 gemeinsam mit der lokalen Organisation Makani die Soufra Cafeteria – einen geschützten Ort für Frauen im Camp. Hier finden sie Arbeit, Ausbildung und Gemeinschaft. Die Cafeteria bietet ihnen die Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und ihre soziale Stellung zu stärken.

Neben der Cafeteria umfasst das Projekt einen Catering-Service, einen Kiosk sowie einen urbanen Dachgarten. Gleichzeitig dient der Ort als Treffpunkt für Austausch, Workshops und Veranstaltungen – und trägt so zum sozialen Zusammenhalt im Camp bei.

Hinweis zur aktuellen Lage (Stand: März 2026)

Seit Anfang März hat sich die Sicherheitslage im Libanon drastisch verschlechtert. Besonders betroffen sind der Südlibanon, das Bekaa-Tal und Beirut. Das Flüchtlingscamp Burj El Barajneh gehört zu den am stärksten bombardierten Stadtteilen der Hauptstadt und ist aktuell Teil einer Evakuierungszone.

Trotzdem lebt noch immer mehr als die Hälfte der Bewohner:innen im Camp – Notunterkünfte sind überfüllt, die Nächte kalt, und viele können nirgendwohin ausweichen. Gleichzeitig verschärfen Stromausfälle und der Mangel an frischen Lebensmitteln die Situation zusätzlich.

Das Soufra-Team rund um Mariam ist vor Ort geblieben und hat die Cafeteria in eine Gassenküche umgewandelt. Täglich kochen und verteilen sie über 300 Mahlzeiten an Familien, die weiterhin im Camp ausharren.

Fakten

Projektaktivitäten Gastronomische Ausbildung sowie Aufbau und Betrieb des ersten Gemeinschaftsrestaurants und Treffpunktes für Frauen im Camp. Notversorgung der Bevölkerung mit warmen Mahlzeiten während des Gaza- und Libanon-Krieges 2024.
Projekt-Ziel Female Empowerment: Steigerung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Frauen und ihrer Familien sowie Stärkung des Gemeinschaftssinns dank regelmässigem Austausch zwischen Frauen verschiedener Herkunft.
Beneficiaries 40 Frauen als Mitarbeiterinnen der Cafeteria. Alle Frauen und ihre Kinder aus dem Burj el Barajneh Camp als Gäste und Teilnehmerinnen an Veranstaltungen in der Cafeteria.
Projektlaufzeit Seit 2020

Südlich der libanesischen Hauptstadt Beirut liegt das Flüchtlingscamp Burj El Barajneh, in dem rund 50.000 Menschen leben. Das Camp besteht seit den 1950er Jahren und beherbergt palästinensische sowie seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs auch syrische Geflüchtete. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, während die Fläche unverändert blieb. Enge Wohnverhältnisse, Armut und fehlende Perspektiven bestimmen den Alltag.

Die Situation im Libanon hat sich durch die anhaltende wirtschaftliche und politische Krise weiter verschärft. Eine extreme Inflation entwertet Einkommen, die Stromversorgung ist vielerorts zusammengebrochen und gerade die ärmsten Bevölkerungsschichten sind davon besonders betroffen. Im Camp selbst ist die Infrastruktur stark vernachlässigt, und Strom steht oft nur für wenige Stunden täglich zur Verfügung.

Frauen im Camp sind von diesen Bedingungen in besonderem Masse betroffen. Als staatenlose Geflüchtete haben sie kaum Rechte und nur sehr eingeschränkten Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten. Öffentliche Räume, in denen sie sich frei bewegen und austauschen können, sind nahezu nicht vorhanden.

Vor diesem Hintergrund betreibt Cuisine sans frontières seit 2021 gemeinsam mit der lokalen Organisation Makani die Soufra Cafeteria im Herzen des Camps. Sie ist ein einzigartiger Ort: ein sicherer Raum, in dem Frauen ausserhalb ihrer beengten Wohnverhältnisse zusammenkommen, arbeiten und sich austauschen können.

Die Cafeteria schafft konkrete Einkommensmöglichkeiten für sozial benachteiligte Frauen. Durch ihre Arbeit tragen sie zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei und stärken gleichzeitig ihre Rolle innerhalb der Gemeinschaft. Die wirtschaftliche Teilhabe wirkt sich direkt auf ihr Selbstbewusstsein und ihre soziale Sicherheit aus.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Verbindung von Praxis und Ausbildung. Die Frauen werden in den Bereichen Kochen und Betriebsführung geschult und professionalisieren so ihre Arbeit. Erfahrene Mitarbeiterinnen geben ihr Wissen als Mentorinnen weiter und fördern neue Teammitglieder.

Mit der Eröffnung der Cafeteria wurde auch der bestehende Soufra-Cateringbetrieb in eine professionell ausgestattete Grossküche integriert. Dadurch können heute grössere und regelmässige Aufträge angenommen werden. Ergänzt wird das Angebot durch einen Kiosk an der Strassenseite, wo täglich frisch zubereitete Speisen wie Falafel und Sandwiches verkauft werden – nach traditionellen Rezepten der Frauen.

Die Cafeteria ist jedoch weit mehr als ein Arbeitsplatz. Sie ist ein sozialer Treffpunkt und ein Ort des Austauschs. Regelmässig finden Workshops statt, bei denen sich Frauen vernetzen, voneinander lernen und gegenseitig stärken. Darüber hinaus wird der Raum von lokalen und internationalen Organisationen für Treffen und Veranstaltungen genutzt und steht auch für private Feiern innerhalb der Gemeinschaft zur Verfügung.

Die Soufra Cafeteria zeigt, wie ein geschützter Raum, wirtschaftliche Teilhabe und gemeinschaftlicher Austausch zusammenwirken können. Sie stärkt Frauen in ihrer Selbstbestimmung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und zum sozialen Zusammenhalt im Flüchtlingscamp – und darüber hinaus.

Das Projekt wird seit 2021 grosszügig von der stiftung fokus frauen unterstützt.

Bilder: © Gregor Sommer/Cuisine sans frontières/Soufra

Fakten

Projektaktivitäten Gastronomische Ausbildung sowie Aufbau und Betrieb des ersten Gemeinschaftsrestaurants und Treffpunktes für Frauen im Camp. Notversorgung der Bevölkerung mit warmen Mahlzeiten während des Gaza- und Libanon-Krieges 2024.
Projekt-Ziel Female Empowerment: Steigerung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Frauen und ihrer Familien sowie Stärkung des Gemeinschaftssinns dank regelmässigem Austausch zwischen Frauen verschiedener Herkunft.
Beneficiaries 40 Frauen als Mitarbeiterinnen der Cafeteria. Alle Frauen und ihre Kinder aus dem Burj el Barajneh Camp als Gäste und Teilnehmerinnen an Veranstaltungen in der Cafeteria.
Projektlaufzeit Seit 2020

Lebensumstände

  • Das Flüchtlings-Camp Burj el Barajneh liegt im Süden von Beirut und wurde 1948 für palästinensische Geflüchtete errichtet.
  • Es wurde für 3.500 Menschen konzipiert, heute leben hier 50.000 Geflüchtete auf 1 km². Das ist eine der höchsten Bevölkerungsdichten weltweit.
  • Frauen im Camp sind besonders eingeschränkt: An Orten, an denen Männer verkehren, dürfen sie sich alleine nicht aufhalten.
  • Mit dem Krieg in Gaza und im Libanon 2024 verschärfte sich auch die Infrastruktur- und Versorgungssituation für die Familien im libanesischen Flüchtlings-Camp massiv. Das Camp war in einer gefährdeten Zone. Die Bevölkerung wurde in andere Stadtteile evakuiert. Die Soufra Cafeteria hat in dieser Zeit die Notversorgung durch warme Mahlzeiten übernommen.
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